Viele Mandanten fragen sich vor ihrem ersten Anwaltstermin nach dem voraussichtlichen Ablauf und den etwaigen Kosten eines solchen Termins. Der vorliegende Beitrag versucht Berührungsängste zu nehmen und verschafft einen kurzen Überblick über den üblichen Ablauf eines Beratungsgesprächs in der PSS Rechtsanwaltskanzlei in Wiesbaden und den voraussichtlichen Kosten.

(telefonische) Terminvereinbarung

In der (üblicherweise telefonischen) Terminvereinbarung geben Sie dem Anwalt schon die ersten Informationen zu Ihrem Fall, sodass das vereinbarte Gespräch entsprechend vorbereitet werden kann. Sie werden schon frühzeitig auf wichtige Unterlagen aufmerksam gemacht, die Sie zweckmäßigerweise zu dem Termin mitbringen sollten (sofern das Mandat nicht ausnahmsweise fernmündlich/ per Email etc. aufgenommen werden soll).

Erste Einschätzung

Im Rahmen des persönlichen Beratungstermins wird Ihnen dann die Gelegenheit gegeben, Ihren Rechtsfall nochmals– auch unter Vorlage etwaiger Unterlagen -ausführlicher zu schildern. Der Sie betreuende Anwalt wird Ihnen dann eine erste Einschätzung geben, ob und welche Maßnahmen in Ihrem Fall geboten sind.

Erstberatung – Kosten

Bevor dann eine ausführlichere Beratung stattfindet, werden Sie zunächst ausdrücklich darauf hingewiesen, dass eine kostenpflichtige Erstberatung stattfindet, die je nach Umfang Gebühren zwischen EUR 90 und maximal EUR 190 zuzüglich gesetzliche MWSt auslöst. Im Rahmen einer solchen Erstberatung wird der von Ihnen geschilderte Fall anhand der vorgelegten Unterlagen einer ersten anwaltlichen Bewertung unterzogen und etwaige Erfolgsaussichten, Kosten und Risiken eines weiteren Vorgehens im Rahmen eines persönlichen Gesprächs prognostiziert. Eine Tätigkeit nach außen hin, etwa ein Schriftwechsel mit der Gegenseite, ist von der anwaltlichen Erstberatung grundsätzlich nicht umfasst. Gerne können nach dem Termin aber noch Rückfragen gestellt werden, die im Erstberatungstermin gegebenenfalls vergessen / übersehen wurden.

Mandatsaufnahme – Kosten

Sollte sich im Rahmen der Erstberatung zeigen, dass ein weiteres anwaltliches Vorgehen auch nach außen hin gewünscht ist, wird das Mandat mittels einer Vollmachtsurkunde ordentlich aufgenommen. Die zuvor geschilderte Erstberatungsgebühr fällt dann nicht mehr an. Stattdessen wird dann nach den Gebührensätzen des Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG) abgerechnet. Dies bedeutet, dass Sie grundsätzlich eine „Pauschale“ für die gesamte außergerichtliche Tätigkeit des Anwalts (d.h. Schriftwechsel / Telefonate / persönliche Gesprächstermine mit der Gegenseite, weitere Mandantentermine etc.) zahlen, die sich nach dem wirtschaftlichen Wert Ihres Rechtsfalles richtet. Ein anschauliches Beispiel stellt etwa der Streit um die mangelhafte Lieferung einer Kaufsache zum Preis von EUR 4.000,00 dar. Wenn Sie wegen des Mangels vom Kaufvertrag zurücktreten wollen, beträgt der Streitwert EUR 4.000,00 und die Gebühren für die gesamte außergerichtliche Tätigkeit (ohne etwaige Vergleichsgebühren, hierzu sogleich) belaufen sich in etwa auf rund EUR 410 (inkl MWSt). Steigt der Streitwert, dann steigen zwar auch die anwaltlichen Gebühren, allerdings nur degressiv. So belaufen sich die anwaltlichen Gebühren bei einem Streitwert von EUR 40.000,00 (bspw. Schadenersatz gegen eine Bank wegen Falschberatung bei Vermittlung einer Schiffsfonds Kapitalanlage) auf etwa rund EUR 1.590 (inkl MWSt). Lediglich der Abschluss eines etwaigen Vergleichs (= Einigung mit der Gegenseite) muss nach dem RVG gesondert abgerechnet werden, worüber Sie aber vor einem Vergleichsschluss von dem Anwalt dem Grunde und der Höhe nach umfassend belehrt werden, um selbst entscheiden zu können, ob der Vergleich noch wirtschaftlich sinnvoll ist.

Im Mietrecht entspricht der Streitwert im Falle der Kündigung einer Mietwohnung und Räumungsverlangen dem einjährigen Mietzins. Die Anwaltsgebühren machen dann wieder einen Bruchteil von diesem Streitwert aus. Bei einer Mietminderung wegen eines Mietmangels mit Abhilfeverlangen beträgt der Streitwert dem zwölffachen Betrag der monatlichen Mietminderung und die Anwaltsgebühren wiederrum ein entsprechender Bruchteil.

Im Arbeitsrecht gelten dagegen besondere Streitwertberechnungsmethoden: So beträgt der Streitwert bei der Kündigung eines Arbeitsverhältnisses dem Faktor 3 des Bruttomonatsgehalts des gekündigten Arbeitnehmers. Der Streit um ein falsch / zu schlecht ausgestelltes Arbeitszeugnis wird mit einem Bruttomonatsgehalt bewertet. Als Faustformel gilt damit, dass die Gebühren des Awalts immer nur ein Bruchteil des Streitwers ausmachen.

In sozialrechtlichen Fällen (bspw. Rente oder Grundsicherung wegen Erwerbsminderung, Krankengeld, Grad der Behinderung, Arbeitslosenversicherung, Hartz IV etc.) wird grundsätzlich nicht nach Streitwert, sondern nach Betragsrahmengebühren abgerechnet, die für die gesamte anwaltliche Vertretung in einem sozialrechtlichen Widerspruchsverfahren durchschnittlich bei rund EUR 380 (inkl MWSt) liegen. Allerdings kommt insbesondere im Sozialrecht häufig die Beratungs- und Prozesskostenhilfe zum tragen und der Mandant muss grundsätzlich nicht selbst zahlen (siehe hierzu unten).

Eine gerichtliche Tätigkeit löst nochmals gesondert Gebühren aus, über die Sie der Anwalt im Einzelfall umfassend aufklären wird. Ein gerichtliches Tätigwerden erfolgt grundsätzlich nur nach ausdrücklichem Auftrag unter Belehrung über alle entstehenden Kosten.

Rechtsschutzversicherung

Sofern eine Rechtsschutzversicherung besteht übernimmt die PSS Rechtsanwaltskanzlei im Rahmen des Mandats (oder auch nur im Rahmen einer Erstberatung) die gesamte Korrespondenz mit dem Versicherer und bemüht sich um eine Deckungszusage. Für die Korrespondenz mit der Rechtsschutzversicherung werden keine zusätzlichen Gebühren berechnet.

Kein Geld für einen Anwalt?

Sofern Sie von Sozialleistungen abhängig sind (etwa Grundsicherung im Alter oder bei Erwerbsminderung oder Hartz IV), können Sie eine für Sie kostenfreie anwaltliche Beratung und Vertretung bei der PSS Rechtsanwaltskanzlei in Anspruch nehmen. Sie benötigen herfür nur einen sogenannten Beratungshilfeschein, den Sie beispielsweise in dem Justizzentrum Wiesbaden (Mainzer Straße 124, 65189 Wiesbaden) zu den üblichen Geschäftszeiten ohne großen Aufwand gegen Vorlage Ihres Bescheids zur Bewilligung von Sozialleistungen (etwa Hartz IV) beantragen können. Informationen über Beratungshilfe und Prozesskostenhilfe sowie die nötigen Antragsformulare finden Sie hier:

https://ag-wiesbaden-justiz.hessen.de/irj/AMG_Wiesbaden_Internet?cid=8007d1172c2f8fb5d0f85cdbae53a7be

 

Wir, die Rechtsanwälte Dr. A. Perabo-Schmidt und Thomas G. Schem, freuen uns auf Sie bei einem Termin in der PSS Rechtsanwaltskanzlei!